Bei einem großflächigen Stromausfall fallen Mobilfunk und Internet oft schon nach Stunden aus. Wer dann informiert bleiben und mit Angehörigen in der Nähe sprechen will, braucht Technik, die ohne Netz auskommt: PMR446-Funkgeräte für die Nahverständigung und ein netzunabhängiges Radio als Draht zur Außenwelt.
Warum Kommunikation zur Vorsorge gehört
In einer Krise ist Information genauso wichtig wie Wasser und Nahrung. Nur wer weiß, was passiert ist, wie lange es dauert und welche Anweisungen die Behörden geben, kann sinnvoll handeln. Genau hier liegt ein blinder Fleck vieler Menschen: Sie verlassen sich vollständig auf das Smartphone. Doch bei einem großflächigen, länger andauernden Stromausfall ist gerade das Handy oft als Erstes nutzlos. Die Mobilfunkmasten verfügen nur über begrenzte Notstromreserven, und wenn diese erschöpft sind, brechen Telefonie und mobiles Internet zusammen. Krisenkommunikation bedeutet deshalb, Wege zu haben, die auch dann noch funktionieren.
Man unterscheidet dabei zwei Bedürfnisse: das Empfangen von Informationen aus der Außenwelt – also Nachrichten, Warnungen und Anweisungen der Behörden – und das Kommunizieren mit Menschen in der näheren Umgebung, etwa mit Familie oder Nachbarn. Für beide gibt es einfache, bezahlbare Lösungen.
Information empfangen: das netzunabhängige Radio
Der zuverlässigste Draht zur Außenwelt im Krisenfall ist nach wie vor das Radio. Rundfunksender verfügen über eine robuste Infrastruktur mit eigener Notstromversorgung und werden im Katastrophenfall gezielt für amtliche Durchsagen genutzt. Ein einfaches, batteriebetriebenes oder kurbelbetriebenes Radio empfängt diese Sendungen völlig unabhängig von Strom und Handynetz. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe empfiehlt ausdrücklich, ein solches Gerät samt Ersatzbatterien bereitzuhalten.
Besonders praktisch sind Kurbelradios, die sich per Handkurbel oder Solarzelle aufladen und damit auch dann noch laufen, wenn keine Batterien mehr verfügbar sind. Viele Modelle bieten zusätzlich eine eingebaute Taschenlampe und einen USB-Ausgang, um im Notfall ein Handy zumindest ein Stück weit zu laden. Beim Empfang sollten Sie auf UKW und DAB+ achten: UKW ist die klassische, extrem verbreitete Analogtechnik, DAB+ der digitale Nachfolger mit klarerem Klang. Ein Gerät, das beides beherrscht, ist am flexibelsten. Worauf es bei der Auswahl im Einzelnen ankommt, vertieft unser Ratgeber zu Kurbelradios für die Notfallkommunikation.
Nahverständigung: PMR446-Funkgeräte
Wenn das Handynetz weg ist, lässt sich über kurze Distanzen dennoch sprechen – mit Funkgeräten im PMR446-Standard. PMR446 ist ein anmelde- und gebührenfreier Jedermannfunk, den in Deutschland jeder ohne Lizenz oder Prüfung nutzen darf. Die Geräte arbeiten völlig unabhängig vom Mobilfunknetz, direkt von Gerät zu Gerät. Das macht sie ideal, um sich innerhalb einer Familie, einer Nachbarschaft oder auf einem größeren Grundstück abzustimmen, etwa bei einer Evakuierung, bei Aufräumarbeiten nach einem Unwetter oder um Kinder und ältere Angehörige im Blick zu behalten.
Wichtig ist eine realistische Erwartung an die Reichweite. Herstellerangaben von acht oder mehr Kilometern gelten nur bei freier Sicht, etwa von Berg zu Berg. In bebautem Gebiet, im Wald oder zwischen Häusern dämpfen Hindernisse das Signal erheblich, sodass in der Praxis oft nur einige Hundert Meter bis wenige Kilometer überbrückt werden. Für die typische Nahverständigung reicht das gut aus. Achten Sie beim Kauf auf gute Akkulaufzeit, die Möglichkeit, Standardbatterien einzulegen, und eine einfache Bedienung, die auch unter Stress gelingt.
Ergänzende Bausteine
Über Radio und Funk hinaus gehören ein paar einfache Dinge zur Kommunikationsvorsorge. Eine Powerbank oder eine kleine Solarladelösung hält das Smartphone länger am Leben, solange das Netz noch steht oder wieder zurückkehrt – denn viele Behörden warnen auch über Apps. Notieren Sie außerdem die wichtigsten Telefonnummern auf Papier, falls das Handy leer oder defekt ist. Auch ein einfacher Treffpunkt-Plan für die Familie ist Gold wert: Wenn die Kommunikation ganz ausfällt, hilft die vorab getroffene Absprache, wo und wann man sich trifft.
Solange das Handynetz noch funktioniert, bleiben die amtlichen Warn-Apps das schnellste Frühwarnsystem. Wie Sie NINA und KATWARN richtig einrichten und mit dem Radio kombinieren, zeigt unser Ratgeber zu Warn-Apps. In Kombination ergibt sich ein gestuftes System: Apps und Handy für die schnelle Vorwarnung, das netzunabhängige Radio für den Fall, dass der Strom länger ausfällt, und Funkgeräte für die Verständigung im Nahbereich. Wie sich der Blackout selbst vorbereiten lässt, fasst die Blackout-Checkliste zusammen.
Häufige Fragen
Warum fällt das Handynetz bei einem Blackout aus? +
Mobilfunkmasten brauchen Strom. Viele Stationen haben nur eine kurze Notstromreserve von einigen Stunden. Fällt der Strom großflächig und länger aus, gehen nach und nach die Funkzellen offline, und Telefonieren sowie mobiles Internet funktionieren nicht mehr. Deshalb ist es sinnvoll, für die Kommunikation im Ernstfall nicht allein auf das Smartphone zu setzen.
Braucht man für PMR446-Funkgeräte eine Lizenz? +
Nein. PMR446 ist ein anmelde- und gebührenfreier Jedermannfunk, den in Deutschland jeder ohne Prüfung oder Lizenz nutzen darf. Die Geräte funktionieren komplett unabhängig vom Mobilfunknetz und eignen sich damit gut, um sich im Umkreis von einigen Hundert Metern bis wenigen Kilometern mit Familie oder Nachbarn abzustimmen.
Welche Reichweite haben Funkgeräte wirklich? +
Herstellerangaben von vielen Kilometern gelten nur unter Idealbedingungen mit freier Sicht. In bebautem Gebiet oder im Wald sind realistisch oft nur einige Hundert Meter bis wenige Kilometer erreichbar. Gebäude, Hügel und Vegetation dämpfen das Signal stark. Für die Verständigung innerhalb einer Nachbarschaft oder auf einem Grundstück reicht das in der Regel gut aus.
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Quellen
- Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK): Ratgeber für Notfallvorsorge, Hinweise zu Information und Kommunikation im Notfall
- Bundesnetzagentur: Informationen zum PMR446-Jedermannfunk
Keine medizinische oder rechtliche Beratung. Angaben nach bestem Wissen zum genannten Stand.